Wissen bremst!

by

Dieses wunderbare Zitat muß ich erklären. Ich habe einmal in einer Vertriebsabteilung der deutschen Tochter einer angelsächsischen (und dementsprechend kapitalistisch) geführten Firma, die vom Verkaufen überteuerter langfristiger Verträge mit hunderttausend Fußnoten an arglose Kunden, die insbesondere durch den sympathischen Verkaufsmann überrumpelt werden, lebt und die „Bedarfsermittlung“ (klassischer Teil des Verkaufsprozesses komplexer Produkte) weniger zur Ermittlung des geeigneten Produkts sondern vor allem zur Auswahl der geeigneten Argumente für das aktuell abzuverkaufende Produkt nutzt, meinen Lebensunterhalt bestreiten müssendürfen.

Mich hat dort immer geärgert, daß die meisten Rekruten alles mögliche, aber nicht im entferntesten für das, was sie da verkaufen sollten, ausgebildet waren. Naiv, wie sogar ich manchmal sein kann und geblendet vom typisch-angelsächsischen Gehirnwasch, den in solchen Firmen interne Propagandaabteilungen veranstalten („Ihre Meinung ist uns wichtig!“, „nur wer sich äußert, kann gehört werden!“, „unsere Mitarbeiter sind unser wertvollstes Kapital“, „wir wollen unsere Kunden begeistern“ usw.), habe ich mich kurzerhand bereiterklärt, als jemand, der ausnahmsweise doch Ahnung von der Materie hat, die anderen Kollegen ebenfalls in die wichtigsten Dinge einzuweisen, auf daß sie den Kunden gezielt Dinge verkaufen können, die für die auch einen Sinn ergeben.

Die Antwort des Abteilungsleiters, der die entscheidende Erfolgsgrundlage stets im „heute“ sah und (wie leider, aber bekanntlich jedes angelsächsisch-kapitalistisch quartalszahlenvergötternde Unternehmen per se) sieht („von den Zahlen der nächsten Monate werde ich heute nicht satt“, „ich will Ergebnisse und keine Visionen“), war oben genanntes Zitat. Begründung:

Je besser ein Verkäufer sein Produkt kennt, desto höher ist das Risiko, daß er einen Grund findet, warum das Produkt für einen Kunden womöglich nicht das richtige ist.

Warum berichte ich das hier? Ich glaube einmal, weil viele, die so einen Hurenjob glücklicherweise nie machen mußten, gar nicht wissen, was da so abgeht. Vor allem aber, weil ich im Zusammenhang mit der allgemeinen Entwicklung dieser unserer Bananenrepublik, die ich seit langem mit immer kritischerem und besorgterem Blick betrachte, immer öfter an diesen widerlichen Abteilungsleiter und seinen Satz denken muß. Angesichts der zunehmenden Gleichschaltung der sogenannten journalistischen Medien, ihrer Wandlung vom kritischen Interventions- und Aufklärungs- zum Verkündungsorgan, immer gierigeren Zensurbestrebungen (die [IP-]Wirtschaft und Politik im Rahmen einer gegenseitigen Machterhaltungsstrategie in erschreckender Weise einen) muß dahinter genau dieses Denken stecken: „Wenn die weniger mitkriegen, mucken sie auch nicht auf und schuften stattdessen – möglichst kostengünstig und ohne teure Forderungen zu stellen“.

Wissen bremst. Das stimmt sogar. Je mehr wir nämlich wissen, was da eigentlich hinter den schönen Kulissen so abgeht, umso mehr wächst – hoffentlich! – das Potential, der Druck im Kessel, die Bereitschaft. Wozu? Die Geisterfahrer, die sich da immer ungenierter gegenseitig bereichern und gleichzeitig den „Verfolgungsdruck“ auf die, die ohnehin nichts haben, erhöhen, damit die noch widerlichere Sklavenarbeit ausführen müssen. Hoffentlich wissen das bald genug, um effektiv auf die Bremse zu treten. Sonst sehe ich nicht schwarz, sondern braun.

Advertisements

Schlagwörter: ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: